Musikalisches Picknick Open Air mit Rabo de Nube: „Die Gedanken sind frei“

10.07.2019

Musikalisches Picknick Open Air mit Rabo de Nube: „Die Gedanken sind frei“

Bildquelle: Markt Feucht

Es war ein Wetter wie bestellt, und so fanden sich am Abend des 29. Junis über 100 Besucher im schattigen Park des Zeidlerschlosses ein. Ausgerüstet mit Stühlen, Decken, Essen, Getränken und Sonnenschirmen waren alle perfekt auf das Picknick-Konzert vorbereitet.

Die noch junge Formation Rabo de Nube mit Nathalie Haas und Kathrin Küsswetter (Vocals), Petra Meier (Akkordeon, Hackbrett) und Michael Tschöpe (Gitarre, Banjo) gab ihr Debüt. Mit Liedern über Krieg und Frieden, Not und Verfolgung, Gefangenschaft und Freiheit, Unterdrückung und Widerstand fesselten die Künstler mit Gesang und Worten die Zuschauer.

Der Abend begann mit einem lateinamerikanischen Lied von Maria Walsh über die stetige Wiederkehr der Zikade, welche mit ihrem Gesang, der nicht zum Schweigen gebracht werden kann, eine Metapher für die Stimme der Unterdrückten zu Zeiten der argentinischen Militärdiktatur wurde. Mercedes Sosa sang dieses Lied, als sie nach dreijährigem Exil wieder nach Argentinien zurückkehrte.

Es folgten Lieder aus Deutschland, die über das traurige Schicksal von zwangsrekrutierten Soldaten berichteten. Auch Reinhard Meys musikalisches Statement eines Vaters fehlte nicht: „Nein meine Söhne geb‘ ich nicht“ lehnt sich an Erich Kästners Gedicht zur Kriegsverweigerung von 1929 an.

Danach hörte das Publikum eine bunte Mischung von Liedern aus Kuba, Deutschland, Argentinien, den USA und Schottland. „El Mayor“ von Silvio Rodriguez war hierbei eine Besonderheit, da es von Fidel Castro in Auftrag gegeben wurde, um einen Revolutionshelden zu verehren. Viele Lieder entstanden in besonderen Lebenssituationen, wie zur Beispiel „Die Moorsoldaten“, ein beeindruckendes Zeugnis des Mutes und Überlebenswillens von Insassen des Konzentrationslagers Börgermoor im Emsland; es wurde dort 1933 von inhaftierten politischen Gefangenen komponiert.

Nathalie Haas wusste die von ihr interpretierten Lieder mit ihrer warmen, vollen Stimme exzellent zum Ausdruck zu bringen. So auch bei „Dear Mr. President“, ein Song der Musikerin Pink aus dem Jahr 2006, die damit Kritik an der Politik von George W. Bush übte, an dessen sozialem Versagen und der Initiierung des Irak-Krieges.

Bei der bekannten Arie „Lascia ch‘io pianga“ von Händel brillierte Katrin Küsswetter mit ihrer Sopranstimme, sanft und stimmig begleitet von Petra Maier am Hackbrett. Michael Tschöpe an Gitarre und Banjo unterstrich mit seinem virtuosen Spiel einfühlsam jede Zeile und stand auch gesanglich beiden Damen in nichts nach.

Mit aller Eindringlichkeit präsentierte das Quartett den unvergessenen Anti-Kriegs-Song „Sag mir, wo die Blumen sind“. Beklemmend waren die gesamten Kriegsauswirkungen zu spüren, als die Musiker Interpretationen von Kurt Weil, Konstantin Wecker und Lieder aus dem Nordirlandkonflikt der 70er Jahre authentisch vortrugen und die Hoffnung äußerten, dass sich dies nie mehr wiederholen möge.

Das Lied „Rabo de nube“ – Namensgeber der Musikformation – brachte den Wunsch zum Ausdruck, ein Wirbelsturm möge alles Böse mitnehmen und nur das Gute hinterlassen. Und passend als Schlusslied drückte „Para la guerra nada“ von Marta alles aus, was Freude macht: „Für den Krieg soll rein gar nichts bleiben“. Dieses Lied geht um die Welt und wird dem Wunsch von Marta Gómez entsprechend immer wieder durch neue Strophen ergänzt. So hat auch Rabo de Nube drei neue Verse in Deutsch und Französisch beigesteuert.

Von begeistertem Applaus begleitet verabschiedete sich Rabo de Nube mit dem Klassiker „Imagine“ von John Lennon und versprach, im nächsten Jahr zum zweiten Picknick Open Air wieder zu kommen.


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