„Ich möchte mein Amt leben!“

27.01.2021

„Ich möchte mein Amt leben!“

Bildquelle: Markt Feucht

Ein Interview mit Ingrid Leikauf, der neuen Behindertenbeauftragten des Marktes Feucht.

Frau Leikauf, Sie haben im Dezember Ihr Ehrenamt als Behindertenbeauftragte des Marktes Feucht aufgenommen. Wo konnten Sie seitdem helfen?

Einen Sprechtag im Rathaus konnte ich schon abhalten, das war im Dezember. Sieben Bürgerinnen und Bürger waren da, die drei Stunden haben gerade so gereicht.

Die Ratsuchenden haben überwiegend Hilfe beim Thema Schwerbehindertenausweis benötigt. Außerdem habe ich beim Antrag auf Feststellung und Erhöhung des Grades der Behinderung geholfen. Es gab auch Fragen zur Leistung bei Pflegebedürftigkeit, da konnte ich fachlich informieren, und dem Bürger beim Antrag aktiv helfen und das weitere Prozedere erläutern.

Künftig werde ich auch bei baulichen Maßnahmen in der Marktgemeinde eingebunden sein und auch bei verkehrstechnischen Fragen, die Menschen mit Behinderung betreffen.


Corona macht es schwierig, einmal im Monat eine Sprechstunde abzuhalten. Die findet ja eigentlich immer jeden ersten Dienstag im Monat im Rathaus statt. Wie machen Sie das?

Jeden ersten Dienstag im Monat ist zwischen 13.00 und 16.00 Uhr ein Sprechtag geplant. Wegen Corona und der vorgeschriebenen Kontaktbeschränkung musste dieser leider im Januar und Februar ausfallen. Das darf aber nicht zu Lasten unserer Behinderten gehen.

Deshalb biete ich in den Zeiten von Corona und auch danach an, dass Interessierte sich bei mir werktäglich per Telefon unter 09128/9167-37 melden können. Falls Sie mich nicht erreichen, sprechen Sie einfach auf den Anrufbeantworter ihren Namen und ihre Telefonnummer. Dann rufe ich Sie zeitnah zurück.

Alternativ erreichen Sie mich per E-Mail unter behindertenbeauftragte@feucht.de. Ich melde mich dann sehr gerne beim Absender.


Das ist gut, denn die Lebenssituation richtet sich ja nicht immer nach dem Sprechstundentermin…

Ja genau. Gerade deswegen ist es wichtig, sich umgehend Hilfe zu suchen. Ich denke da an eine Dame, die bis zum Sprechtag gewartet hat, und dadurch dann die Frist für einen Widerspruch leider verstrichen war. Schade!

Daher mein Hinweis, dass ich auch zusätzlich zur persönlichen Beratung telefonisch für die Betroffenen erreichbar bin. Sie stören nicht. Ich helfe sehr gerne. Ich möchte mein Amt leben, das heißt aktiv werden, unterstützen, helfen und gerade bei Problemen und Sorgen für die Bürgerinnen und Bürger da sein.


Was reizt Sie an diesem Ehrenamt?

Die Möglichkeit und Chance, für den einzelnen Menschen mit Behinderung in seinem Alltag etwas verbessern zu können. Sich einsetzen und für seinen Mitmenschen da sein. Das kann konkret eine Beratung sein oder Hilfe beim Ausfüllen eines Antrages.

Aber auch und vor allem das Verständnis für den Menschen mit seinem Problem und ein ehrliches Mitfühlen, ein Begleiten auf seinem Weg. Manchmal können bereits kleine Veränderungen den Alltag erträglicher machen.

Warum ausgerechnet Behindertenbeauftragte? Weil insbesondere Menschen mit Behinderung unsere Aufmerksamkeit brauchen. Da ich selbst einen Grad der Behinderung von 80 habe, kann ich das hautnah nachvollziehen. Nach über zehn Jahren Schwerbehindertenvertretung bei meinem früheren Arbeitgeber weiß ich, wo der Schuh drückt.


Was ist Ihr Ziel?

Behinderung erleben wir oft als Einschränkung. Wenn jedoch die Rahmenbedingungen optimiert werden, wenn unser Umfeld unseren Fähigkeiten angepasst ist, wird vieles leichter. Und man kann Kleines und manchmal Großes bewirken. Die Situation eines Einzelnen oder einer Gruppe verbessern, das ist mein Ziel.

Eine Behinderung kann uns alle treffen, vielleicht schon morgen. Wie wollen wir dann wahrgenommen werden? Ich wünsche mir ein Umdenken in Köpfen der Menschen.

Denken wir bei Menschen mit Behinderung nicht nur an den Rollstuhlfahrer oder den Gehbehinderten. Es gibt viele körperliche und psychische Erkrankungen und viele Menschen, die darunter sehr leiden, Menschen, die ausgegrenzt sind und werden, die unsere Wertschätzung und Integration aber unbedingt verdienen. Hier will ich versuchen, ein klein wenig beizutragen.


 

Da die Behindertenbeauftragte sich während des Sprechtages Zeit für alle nehmen möchte, ist es sinnvoll, vorher eine Uhrzeit zu vereinbaren: 09128/9167-37, behindertenbeauftragte@feucht.de. Natürlich kann man aber auch spontan vorbei kommen. Die Kontaktdaten gelten auch, wenn man außerhalb der Sprechtage Hilfe benötigt.

 


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